9 April 2013

The Religion of Smug Ease

Friedrich Nietzsche, The Joyful Wisdom (§ 338), in The Complete Works of Friedrich Nietzsche, tr. Thomas Common (New York: Macmillan, 1911), pp. 265-267:
That from which we suffer most profoundly and personally is almost incomprehensible and inaccessible to every one else: in this matter we are hidden from our neighbour even when he eats at the same table with us. Everywhere, however, where we are noticed as sufferers, our suffering is interpreted in a shallow way; it belongs to the nature of the emotion of pity to divest unfamiliar suffering of its properly personal character: — our "benefactors" lower our value and volition more than our enemies. In most benefits which are conferred on the unfortunate there is something shocking in the intellectual levity with which the compassionate person plays the role of fate: he knows nothing of all the inner consequences and complications which are called misfortune for me or for you! The entire economy of my soul and its adjustment by "misfortune," the uprising of new sources and needs, the closing up of old wounds, the repudiation of whole periods of the past — none of these things which may be connected with misfortune preoccupy the dear sympathiser. He wishes to succour and does not reflect that there is a personal necessity for misfortune; that terror, want, impoverishment, midnight watches, adventures, hazards and mistakes are as necessary to me and to you as their opposites, yea, that, to speak mystically, the path to one's own heaven always leads through the voluptuousness of one's own hell. No, he knows nothing thereof. The "religion of compassion" (or "the heart") bids him help, and he thinks he has helped best when he has helped most speedily! If you adherents of this religion actually have the same sentiments towards yourselves which you have towards your fellows, if you are unwilling to endure your own suffering even for an hour, and continually forestall all possible misfortune, if you regard suffering and pain generally as evil, as detestable, as deserving of annihilation, and as blots on existence, well, you have then, besides your religion of compassion, yet another religion in your heart (and this is perhaps the mother of the former) — the religion of smug ease. Ah, how little you know of the happiness of man, you comfortable and good-natured ones! — for happiness and misfortune are brother and sister, and twins, who grow tall together, or, as with you, remain small together!
The original:
Das, woran wir am tiefsten und persönlichsten leiden, ist fast allen anderen unverständlich und unzugänglich: darin sind wir dem Nächsten verborgen, und wenn er mit uns aus einem Topfe ißt. Überall aber, wo wir als Leidende bemerkt werden, wird unser Leiden flach ausgelegt; es gehört zum Wesen der mitleidigen Affektion, daß sie das fremde Leid des eigentlich Persönlichen entkleidet – unsre »Wohltäter« sind mehr als unsre Feinde die Verkleinerer unsres Wertes und Willens. Bei den meisten Wohltaten, die Unglücklichen erwiesen werden, liegt etwas Empörendes in der intellektuellen Leichtfertigkeit, mit der da der Mitleidige das Schicksal spielt: er weiß nichts von der ganzen inneren Folge und Verflechtung, welche Unglück für mich oder für dich heißt! Die gesamte Ökonomie meiner Seele und deren Ausgleichung durch das »Unglück«, das Aufbrechen neuer Quellen und Bedürfnisse, das Zuwachsen alter Wunden, das Abstoßen ganzer Vergangenheiten – das alles, was mit dem Unglück verbunden sein kann, kümmert den lieben Mitleidigen nicht: er will helfen und denkt nicht daran, daß es eine persönliche Notwendigkeit des Unglücks gibt, daß mir und dir Schrecken, Entbehrungen, Verarmungen, Mitternächte, Abenteuer, Wagnisse, Fehlgriffe so nötig sind wie ihr Gegenteil, ja daß, um mich mystisch auszudrücken, der Pfad zum eigenen Himmel immer durch die Wollust der eigenen Hölle geht. Nein, davon weiß er nichts: die »Religion des Mitleidens« (oder »das Herz«) gebietet zu helfen, und man glaubt am besten geholfen zu haben, wenn man am schnellsten geholfen hat! Wenn ihr Anhänger dieser Religion dieselbe Gesinnung, die ihr gegen die Mitmenschen habt, auch wirklich gegen euch selber habt, wenn ihr euer eigenes Leiden nicht eine Stunde auf euch liegen lassen wollt und immerfort allem möglichen Unglücke von ferne her schon vorbeugt, wenn ihr Leid und Unlust überhaupt als böse, hassenswert, vernichtungswürdig, als Makel am Dasein empfindet: nun, dann habt ihr, außer eurer Religion des Mitleidens, auch noch eine andere Religion im Herzen, und diese ist vielleicht die Mutter von jener – die Religion der Behaglichkeit. Ach, wie wenig wißt ihr vom Glücke des Menschen, ihr Behaglichen und Gutmütigen! denn das Glück und das Unglück sind zwei Geschwister und Zwillinge, die miteinander großwachsen oder, wie bei euch, miteinander – klein bleiben
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